Inhalt

Ausstellungsrückblick 1999 - 2021

Ausstellungsrückblick
Elektrifizierung auf dem Land 2021 (Foto: Bauerngerätemuseum /Rössle)

Ausstellungen 2021

28. März 2021 – 31. Oktober 2021
Mit Nadel und Faden

Den handwerklichen Fertigkeiten bei der Arbeit mit Nadel und Faden widmet sich im Jahr 2021 die hauswirtschaftliche Sonderschau. Exemplarisch präsentiert sie Erzeugnisse der Leder- und Textilnäherei und stellt die dabei angewendeten Nadelarbeiten vor. Zu entdecken gibt es nicht nur eine illustre Auswahl fertiger Produkte, es werden dazu auch jeweils halbfertige Arbeiten mit den dabei benutzten Nadeln und Faden gezeigt sowie die jeweiligen Techniken erklärt. Neben prachtvollen Beispielen aus Privatbesitz schöpft die Ausstellung aus dem reichen Fundus der Textilsammlung des Museums.


28. März 2021 – 25. Juli 2021
Sauberkeit zu jeder Zeit! Hygiene auf dem Land

Im 19. Jahrhundert wurde das Zeitalter der modernen Hygiene eingeläutet. Die seitdem angestoßenen Verbesserungen rund um Wasserversorgung, Körperpflege und Hygiene nimmt eine Wanderausstellung in den Blick, die von der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Freilichtmuseen unter Beteiligung des Bauerngerätemuseums Hundszell konzipiert wurde. Ausgehend von der Frage „Was ist sauber?“ thematisiert sie die ganze Bandbreite der Hygiene auf dem Land: Von Kleidung und Wäschepflege ist ebenso die Rede wie vom Stall und der Abfallentsorgung. Es geht ums Kochen und um die Vorratshaltung, um die Küche und die medizinische Versorgung auf dem Dorf. Hier spielten übrigens Badstube und Bader in früherer Zeit eine ebenso wichtige Rolle wie in der Stadt. Neben spannenden Einzelstücken ist v. a. der voll eingerichtete historische Frisörsalon ein Highlight der Ausstellung.


1. Juli 2021 – 31. Oktober 2021
Bauernhöfe unter Strom

Die Elektrifizierung der Landwirtschaft war eine Vision, die sich mit beispielloser Geschwindigkeit durchgesetzt hat. Sobald die Dörfer an das Netz der überregionalen Stromversorger angeschlossen waren – meist in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg –, hielten die ersten Glühbirnen und Elektromotoren Einzug auf den Bauernhöfen. Futterschneider, Schrotmühlen, Kreissägen und Dreschmaschinen konnten mit einem einzigen Motor angetrieben werden – eine wahrhaft utopische Errungenschaft. Im Bereich der Hofarbeiten war die Einführung des Elektromotors eine ebenso bahnbrechende Innovation wie es der Schlepper für die Außenwirtschaft werden sollte.
Im Rahmen der Ausstellung “Bauernhöfe unter Strom” wird u. a. ein spektakulärer Neuzugang der agrartechnischen Sammlung des Hauses präsentiert. Durch eine großzügige Spende erhielt das Bauerngerätemuseum Hundszell den ersten je in Deutschland verkauften Hoflader, den ANDI – erdacht und gebaut von einem bayerischen Tüftler und angetrieben von einem Elektromotor!


05. September 2021 – 31. Oktober 2021
Hans – Eine kleine Geschichte vom Glück
Fotografien von Stefan Winkelhöfer

In eindringlichen Bildern voller Sympathie entführt der Kulturfotograf Stefan Winkelhöfer in eine Welt, die scheinbar aus der Zeit gefallen ist. Sie erzählt vom Leben des Hans, der mit seinen 80 Jahren allein auf seinem kleinen Bauernhof in der Oberpfalz lebt und alles hat, was er braucht um zufrieden zu sein: Freunde, Essen, ein Haus, Kühe. Seine Ruhe und seinen Frieden.


18. September 2021 – 31. Oktober 2021
Der Zitherbauer und Sammler Ernst Volkmann. Eine Ausstellung zum 100. Geburtstag

Der große Ingolstädter Zitherbauer Ernst Volkmann hätte im Jahr 2021 seinen 100. Geburtstag gefeiert. Er ist vor 12 Jahren gestorben, in seiner unermüdlichen Tätigkeit als Zitherbauer und -sammler aber hat er ein bleibendes Erbe hinterlassen. Gebürtig aus dem Instrumentenbauerzentrum Schönbach bei Eger hat Volkmann nach der Vertreibung in Ingolstadt seine Heimat gefunden. Hier hat der gelernte Geigenbauer sich bald auf die Zither verlegt und dem Bau dieses Instruments sein ganzes Leben gewidmet. Zusammen mit dem virtuosen Instrumentalisten Fritz Wilhelm hat er die Zither in Psalterform entwickelt und ist damit quasi zum „Vater der modernen Zither“ geworden. Seine gewaltige Sammlung von Zithern hat Volkmann dem Stadtmuseum Ingolstadt vermacht, wo eine exquisite kleine Auswahl präsentiert ist. Zu seinem 100. Geburtstag zeigt nun das Bauerngerätemuseums Hundszell einen breiten Querschnitt dieser prächtigen Sammlung, die einen Längsschnitt durch die Entwicklungsgeschichte dieses Instrumentes bietet. Und sie erinnert an den Pionier des modernen Zitherbaus Ernst Volkmann.

Ausstellungen 2020

17. Mai 2020 – 30. Oktober 2020
Verflixt und zugenäht
Die Kulturgeschichte des Schneiderns und Nähens ist das aktuelle Thema der hauswirtschaftlichen Abteilung des Museums. Es geht um die arbeitsteilige Vielfalt der textilen Berufe in zünftigen Zeiten, um das klischeehafte Bild und die reale Arbeit von Schneidern und Näherinnen, und nicht zuletzt um die Nähmaschine, eine der großen technischen Innovationen im Bereich der Hauswirtschaft, vor allem aber im Bereich des gewerblichen Nähens.


17. Mai 2020 – 30. August 2020
25 Jahre Bauerngerätemuseum
Zur Feier seines 25-jährigen Bestehens erinnert das Museum in einer Sonderschau an das zurückliegende Vierteljahrhundert. Die wegen der entfallenden Veranstaltungen bis auf weiteres verwaiste „Konzerthalle“ bietet die räumliche Möglichkeit, eine Auswahl der Neuzugänge der vergangenen 25 Jahre zu präsentieren. Es handelt sich durchwegs Sammlungsstücke, die bisher noch nicht ausgestellt waren. Im Wechsel wird hierbei ein „Gerät des Monats“ besonders herausgestellt.


05. Juli 2020 – 06. September 2020
Mensch – Tier – Natur
Vier Maler als Exempel für die künstlerische Auseinandersetzung mit Motiven des bäuerlichen Lebens. Der Lebensmittelpunkt der vier Künstler, Vertreter der expressiven Malerei und der neuen Sachlichkeit, lag überwiegend im Thüringer Wald. Den Schwerpunkt der Ausstellung mit insgesamt 157 Arbeiten bilden die Werke von Alexander Gerbig, einem engen Künstlerfreund von Max Pechstein.


27. September – 25. Oktober 2020
Berührtes Land
Spielt die Agrikultur – Namensgeber unseres heutigen Kulturbegriffs – als Motiv und Thema noch eine Rolle in der zeignössischen Kunst? Auf Einladung des Bauerngerätemuseums Hundszell geht der BBK Oberbayern Nord und Ingolstadt dieser Frage in einer Gemeinschaftsausstellung nach. 27 Künstlerinnen und Künstler bieten einen spannenden Querschnitt zeitgenössischer Kunst, bezogen auf das weite Feld der Landwirtschaft.

Ausstellungen 2019

31. März 2019 – 23. Juni 2019

Keramik der Berber – Spuren einer untergehenden Kultur
In ihrer funktionalen Vielfalt führt die Sammlung Kunz vor Augen, welchen Stellenwert getöpferte Ware in traditionellen bäuerlichen Kulturen innehatte. Dies gilt genauso für die traditionellen Bauernkulturen Mitteleuropas und in Bayern. Allzu gern wird bäuerliche Sachkultur hier reduziert auf die von Holz und Eisen gefertigten Arbeitsgeräte, vielleicht noch ergänzt um traditionelle Textilien , hier vor allem die „Tracht“. Die Bedeutung irdener Gefäße für die Aufbewahrung und Zubereitung von Nahrungsmitteln ist mit deren Verdrängung durch Geräte aus Metall, die in unserem Kulturkreis schon vor mehr als 100 Jahren beginnt, aus dem Blick geraten.
Dabei sind aus Ton gefertigte Utensilien von jeher ein immanenter Bestandteil bäuerlicher Kultur. Neben Sesshaftigkeit, Ackerbau und Viehzucht gilt die Entstehung von Keramik, des ersten von Menschen mit Hilfe des Feuers „künstlich“ erzeugten Werkstoffs, geradezu als ein Definitionsmerkmal des Neolithikums, also des Entstehens bäuerlicher Kultur.
Reizvoll ist der Vergleich jener archaischen Keramik aus dem nördlichen Afrika mit Beispielen heimischer Herkunft. Als „Referenzmaterial“ wird vor- und frühgeschichtliche Keramik aus archäologischen Funden im Raum Ingolstadt gezeigt, aber auch eine kleine Auswahl neuzeitlicher Gebrauchskeramik aus bäuerlicher Herkunft.


28. Juli 2019 – 31. Oktober 2019
Zwischen Tür und Angel
Fenster, Türen und Beschläge aus vier Jahrhunderten
Nur ein kurzer Blick, so „zwischen Tür und Angel“? Das wäre zu wenig für diese Ausstellung, die sich der Kulturgeschichte der Fenster und Türen widmet. Imposante Haustüren, hölzerne Schiebefenster und kunstvolle Türschlösser und Beschläge entführen in die große Zeit des Handwerks. Im Mittelpunkt stehen dabei Türen und Fenster, die wohl am häufigsten benutzten und dabei so wenig beachteten Bauteile unserer Häuser. Als „Visitenkarte des Hauses“ präsentieren sich Haustüren aus verschiedenen Stilepochen. Zimmertüren verraten ihren Abstieg in der Hierarchie von der Stuben- bis zur Aborttür. Die spannende Geschichte des Fensters rankt sich um die Themen Glas Und Rahmenkonstruktion. Das Ergebnis jahrhundertealter Erfahrung ist auch der Farbanstrich, der das Holz der Fenster und Türen vor Verwitterung schützt. Im Reich der Schlösser begegnen wir technischem Einfallsreichtum und gestalterischer Fantasie.
Eine Ausstellung des Bauernmuseums Bamberger Land in Frensdorf, konzipiert und zusammengestellt von Dr. Birgit Jauernig. Gezeigt werden Leihgaben aus dem Bauernmuseum Frensdorf, dem Gerätemuseum des Coburger Landes Ahorn und der Sammlung Gustav Fischer, Rödental, Hinzu kommen Sammlungsstücke aus den eigenen Beständen.

Ausstellungen 2018

25. Februar 2018 – 3. Juni 2018

Arma Christi
Passionsdarstellungen in der Volkskunst
Sonderausstellung mit Leihgaben aus einer hochkarätigen Ingolstädter Privatsammlung. Gezeigt werden Gemälde, Drucke und plastische Darstellungen der Leidensgeschichte Jesu mit einem Schwerpunkt auf den so genannten Arma-Christi-Kreuzen. Solche Zusammenstellungen der Folter-Werkzeuge verdichten die Passionsgeschichte zu einem drastischen Simultanbild.


29. April 2018 – 31. Oktober 2018
Friedhof der Traktoren
Mit der breiten Einführung des Schleppers erlebte die Motorisierung der Landwirtschaft seit den 1950er Jahren eine rasante Beschleunigung. Hautnah nachvollziehen lässt sich diese Entwicklung in einer beispiellosen Sammlung von Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Maschinen im Besitz des ehemaligen Landmaschinen-Händlers Karl Dietrich und Gebrüder aus Neustadt an der Donau. Die Besucher erleben diese einmalige Sammlung in kunstvollen Fotografien von Gabriele Neumaier und ausgesuchten Originalen.


9. September 2018 – 31. Oktober 2018
Utopie Landwirtschaft
Utopien von „paradiesischen“ Zuständen oder visionären Entwicklungen im Bereich der Nahrungssicherung haben die Menschen zu allen Zeiten bewegt - von der Sehnsucht nach dem Garten Eden bis zu den modernen Visionen einer „vertikalen Landwirtschaft“. Wie andere Utopien, so haben auch die agrarischen euphorische Hoffnungen einerseits geweckt, und sind auf der anderen Seite auf Ängste und Widerstände gestoßen. Man denke aktuell nur an die Diskussion um gentechnisch veränderte Pflanzen. Der Blick auf agrarische „Utopien“ in der Vergangenheit und Gegenwart verspricht spannende Perspektiven, denen in der gemeinsam mit fünf weiteren Museen erarbeiteten Ausstellung nachgespürt wird. Es erscheint ein umfassender Katalog.

Ausstellungen 2017

2. April 2017 – 2. Juli 2017
The Power of Cow – Bilder von Pete Kilkenny
Der Künstler Pete Kilkenny, als Sohn irischer Eltern in England geboren, lebt seit 1987 in Bayern, seit 2006 wohnt er in Tittmoning. In einer tiefen Lebenskrise im Jahr 2000 wurde die Kuh für ihn zur Inspiration und Kraftquelle, und sie wurde zum Medium für seine Kunst. Seither malt er Kühe – und (fast) nichts als Kühe.
Die Hundszeller Ausstellung verfolgt Kilkennys künstlerischen Weg von den großformatig-poppigen Werken der Anfangszeit bis zu den großen Serien der letzten Jahre, überwiegend gemalt auf den Titelseiten internationaler Tageszeitungen. Fast alle Ausstellungsräume des Museums erfassend, entsteht die bisher größte und spektakulärste Werkschau von Pete Kilkenny. Zur Ausstellung erschien ein hochwertiger Katalog.


23. Juli 2017 – 31. Oktober 2017
Volk – Heimat – Dorf
Ideologie und Wirklichkeit im ländlichen Bayern der 1930er und 1940er Jahre
Der Nationalsozialismus hat massiv in alle Gesellschafts- und Lebensbereiche hineingewirkt. Wie weit aber hat er das Land erreicht, die Dörfer, die Bauernstuben? Die schreckliche Banalität jener Zeit zeigt sich besonders deutlich, wenn man den Blick von den großen politischen und militärischen Ereignissen abwendet und ihn auf das alltägliche Leben vor Ort richtet. Es geht in der Ausstellung um Landwirtschaft und Ernährung, aber auch um private Alltagswelt, Gesellschaft und Verbände, Zwangsarbeit, Verfolgung und Gewalt, verführte Jugend, dagebliebene Zwangsarbeiter und andere Themen. Die Wanderausstellung der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Freilichtmuseen wird ergänzt durch einen umfangreichen Begleitband.




Ausstellungen 2016

20. März 2016 – 30. Oktober 2016
(R)EINGSCHENKT IS!
Geschichten vom Bierkrug und seinem Inhalt
Zum 500-jährigen Jubiläum des in Ingolstadt erlassenen Reinheitsgebots taucht auch das Bauerngerätemusem Hundszell ein in den Dunstkreis des Bieres. Es geht um die Geschichte des „fünften Elements“ in Bayern und speziell die Brau- und Wirtshauskultur in Ingolstadt. Im Mittelpunkt aber steht der Bierkrug in all seinen kulturgeschichtlichen Facetten. Höhepunkt ist eine einzigartige Sammlung von Porzellanmedaillons aus Bierkrugdeckeln des 18. bis 20. Jahrhunderts, entdeckt in der Eichstätter Zinngießerei Eisenhart.
Bierkultur ganz anderer Art wird im zweiten Teil der Ausstellung eingeschenkt. Der Maler Matthias Schlüter und der Bildhauer Helmut Wolf haben sich in ihren Werken kunstbildnerisch mit dem Thema auseinandergesetzt und schlagen dabei durchaus (Bier)kulturkritische Töne an, wenn auch in künstlerisch humorvoller Verpackung.


10. April 2016 – 4. September 2016
Rund um den Bierbauch
Eine Kunstausstellung von Gabriele und Thomas Neumaier
Die körperlichen Folgen des Bierkonsums sind Thema dieser Ausstellung rund um den Mythos Bierbauch, die das Künstlerehepaar Gabriele und Thomas Neumaier zusammen mit dem Deutschen Medizinhistorischen Museum konzipiert hat. Weil letzteres bis Mitte 2016 wegen Baumaßnahmen geschlossen ist, wird die Schau im Bauerngerätemuseum Hundszell gezeigt – die erste gemeinsame Ausstellung der beiden Ingolstädter Museen.
Auf den Fotos von Gabriele Neumaier wird der Bierbauch zur Bühne und Landschaft: Kleine Figuren graben nach einer Bierquelle und zapfen den Bauch an. Taucher schwimmen im Bierteich des Nabels. Auf der Bauchwölbung wird zünftig gefeiert, Pferdewagen mit Bierfässern rollen an. Ein Gipfelkreuz krönt die Kuppe des Bauches. Thomas Neumaier inszeniert den Bierbauch als Kunstobjekt, mit Bierbäuchen zum Umschnallen an der Wirtshausgarderobe.
Dass (übermäßiges) Biertrinken nicht nur ästhetische Verwerfungen nach sich ziehen kann, ist Thema des Begleitprogramms. Die vom Medizinhistorischen Museum organisierten Vorträge betrachten den Bierkonsum sowohl aus historischer als auch aus medizinisch-pathologischer Perspektive. Eine heiter-ironische Ausstellung mit medizingeschichtlichem Tiefgang.


21. Juli 2016 – 16. Oktober 2016
Gutes Wetter – Schlechtes Wetter
Über kaum ein anderes Thema wird mehr geredet als über das Wetter. Dass Klima und Wetter mehr sind als nur leichter Gesprächsstoff, wird in Zeiten des Klimawandels wieder bewusst. Für frühere Generationen war die Elementarkraft des Wetters ein wesentlicher Aspekt der Lebensbewältigung. Sogar das nackte Überleben konnte am Verlauf des Wetters hängen, wie vor 200 Jahren, als Missernten Europa in eine Teuerungs- und Hungerkrise stürzten. Wie vergangene bäuerliche Gesellschaften mit den Chancen und Risiken von Klima und Wetter umgegangen sind – in der Landwirtschaft, in Bauwesen und Kleidung, in der Religion -, fragt die Ausstellung „Gutes Wetter – Schlechtes Wetter“. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt der ARGE Ausstellung Süddeutscher Freilichtmuseen und wird von einem umfangreichen Katalog begleitet.




Ausstellungen 2015

29. März 2015 – 26. Juli 2015
CO2 - Ein Stoff und seine Geschichte
Vielen Menschen ist CO2 heute nur als ein problematisches Klimagas unserer Tage bekannt. Die Geschichte des Kohlendioxid ist aber viel älter, und geradezu ein Leitfaden, um die Entwicklung der Erde und des Lebens auf eine faszinierende Weise nachzuvollziehen.
Die Ausstellung des Wissenschaftszentrums Umwelt der Universität Augsburg erzählt auf anschauliche Weise die Geschichte des CO2 von der Urzeit bis in unsere Gegenwart. Die aktuelle Klimadiskussion erhält so eine größere Tiefenschärfe, die nachhaltiges Handeln erst möglich macht.
Die Ausstellung lebt von faszinierenden Exponaten und spannenden Experimenten.


ab 10. Mai 2015
Kernseife und Wurzelbürste
Die Große Wäsche im Wandel der Zeit
Die große Wäsche war früher eine gefürchtete, weil besonders anstrengende und zeitaufwändige Hausarbeit. Was heute die programmierbare Waschmaschine wie von selbst erledigt, war harte Knochenarbeit.
Mit einer Ausstellung zur Geschichte der Wäschepflege macht das Bauerngerätemuseum Hundszell den Anfang mit der Aufarbeitung hauswirtschaftlicher Themen. Die trotz ihrer Bedeutung auch in den Museen oft wenig beachteten „weiblichen Arbeiten“ innerhalb der traditionellen Rollenverteilung sollen im Obergeschoss des ehemaligen Wohnhauses in wechselnder Schwerpunktsetzung ihren Platz finden. Gezeigt wird dort auch eine ständige Ausstellung textiler Handarbeiten.


9. August 2015 - 30. Oktober 2015
Quilts - Traditionelles und modernes Patchwork der Diamond Quilters Kösching
Stoff-Kunst / Nützlich und Kunstvoll
Das englische Wort Quilt bedeutet „Steppdecke“, also eine aus mehreren Lagen vernähte (gesteppte) und dadurch besonders gut wärmende Decke.
Dabei wird die Schauseite häufig als Patchwork („Flickwerk“) gestaltet. Beim Patchwork werden die Flicken verschiedener Stoffe zu kunstvollen Mustern kombiniert. Aus Sparsamkeit und Zweckmäßigkeit heraus geboren, haben sich beide Techniken längst zu Ausdrucksformen kreativen Schaffens entwickelt. Quilt und Patchwork als Volkskunst finden sich in fast allen Kulturen der Welt und sind bis heute ein wichtiger Bereich textiler Kunstfertigkeit.
Die Köschinger Patchworkgruppe „Diamond Quilters“ trifft sich seit 20 Jahren regelmäßig zum Arbeiten und zum Gedankenaustausch. In der Hundszeller Ausstellung zeigen sie eine Auswahl ihrer schönsten Quilts. Traditionelle und moderne Designs demonstrieren die schier unerschöpfliche Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. Entstanden ist eine begeisternde Schau für die Liebhaber von textiler Kunst ebenso wie für jene, die eine Patchworkdecke einfach als ein schönes und wärmendes Nutzobjekt schätzen – und für alle, die sich für leuchtende Farben und fantasievolle Muster begeistern.



Ausstellungen 2014

30. März 2014 – 22. Juli 2014
Radi, Rosen, Heckenschere. Geschichten vom Gartenbau
Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des Ingolstädter Gartenamtes erzählt das Bauerngerätemuseum Hundszell Geschichten vom Schanzer Gärtnerglück. „Nahrung für Körper und Seele“ – so könnte man den Leitfaden dieser inhaltlich breit gefächerten Ausstellung rund um die Geschichte des Gartens und des Gartenbaus umschreiben.
Die Themenpalette reicht vom Verschönerungsverein als Vorläufer des städtischen Gartenamtes, über die Entwicklung der öffentlichen Gärten und Grünanlagen, die lange Tradition der Ingolstädter Schrebergärten und Obst- und Gartenbauvereine, über die „Bauerngärten“ mit ihren Nutz- und Zierpflanzen, bis zur Erwerbsgärtnerei und dem landwirtschaftlichen Gemüseanbau von heute.


6. Juli 2014 – 26. Oktober 2014
Grüner Klee und Dynamit. Der Stickstoff und das Leben
Die Sonderausstellung „Grüner Klee und Dynamit – Der Stickstoff und das Leben“ erzählt die Geschichte des Stickstoffs mit vielen einzigartigen Exponaten. Sie erläutert die biologische Bedeutung des Stickstoffs, seine ökologische Problematik, aber auch seine politische Relevanz. Mittelalterliche Ateliers der Alchemisten und Salpeterer werden reizvoll kontrastiert durch moderne Hochtechnologie. Viele interaktive Elemente machen den Stoff und seine Geschichte begreifbar.
Die Ausstellung zeigt, dass die Geschichte des Stickstoffs immer mehr vom Menschen geprägt wird. Und auch die Zukunft wird von uns abhängen, von unserer technischen Phantasie und von unserem politischen Mut. Während es vor 100 Jahren darum ging, Grenzen zu überwinden, wird es in Zukunft auch darum gehen, dass wir uns selbst Grenzen setzen: dort nämlich, wo die natürlichen Grenzen aufgehoben wurden.
In „Grüner Klee und Dynamit – Der Stickstoff und das Leben“ werden die Besucher auf die spannende Reise durch die Geschichte des Stickstoffs mitgenommen. Dabei können sie diesen außergewöhnlichen Stoff in all seinen Facetten erleben. Besucher aller Altersgruppen erfahren auf unterhaltsame Art neben Bekanntem viele neue Aspekte, positive wie negative, dieses allgegenwärtigen Stoffes und werden zum Mitmachen wie zum Nachdenken angeregt.


Ausstellungen 2013

24. März 2013 – 16. Juni 2013
Eisvogel und Stendelwurz. Naturschönheiten vor der Haustür
Der Natur mit Staunen und Respekt begegnen, die stillen Augenblicke genießen, in denen unsere Bilder entstehen, und dabei „mitten drin zu sein im Leben und in der Natur“.
So beschreiben Renate und Michael Morasch ihre Leidenschaft für die Naturfotografie, die das Ingolstädter Ehepaar seit vielen Jahren verbindet. In der Hundszeller Ausstellung nehmen sie die Besucher mit auf einen Spaziergang in die scheinbar so unspektakuläre Natur vor unserer Haustür.
Faszinierende Pflanzen- und Tieraufnahmen entführen in die artenreiche Naturwelt des Ingolstädter Donaubeckens. In atemberaubenden Nahaufnahmen ist eine vertraute und doch so unbekannte Naturwelt brillant ins Bild gesetzt.


7. Juli 2013 – 31. Oktober 2013
Radi, Rosen, Heckenschere
Geschichten vom Ingolstädter Gartenbau
Aus Anlass des hundertjährigen Bestehens des Ingolstädter Gartenamtes erzählt das Bauerngerätemuseum Hundszell Geschichten vom Schanzer Gärtnerglück. „Nahrung für Körper und Seele“ – so könnte man den Leitfaden dieser inhaltlich breit gefächerten Ausstellung rund um die Geschichte des Gartens und des Gartenbaus umschreiben.
Die Themenpalette reicht vom Verschönerungsverein als Vorläufer des städtischen Gartenamtes, über die Entwicklung der öffentlichen Gärten und Grünanlagen, die lange Tradition der Ingolstädter Schrebergärten und Obst- und Gartenbauvereine, über die „Bauerngärten“ mit ihren Nutz- und Zierpflanzen, bis zur Erwerbsgärtnerei und dem landwirtschaftlichen Gemüseanbau von heute.


Ausstellungen 2012

ab 1. April 2012
Andacht und Zier. Gebetbücher und Rosenkränze
Das Gebet- und Gesangbuch sowie - im katholischen Bereich - der Rosenkranz sind bis heute die wichtigsten persönlichen Utensilien christlicher Religionsausübung. Sie sind Hilfsmittel für das Gebet, im gemeinschaftlichen Gottesdienst ebenso wie zur privaten Andacht, verbindende Elemente von kirchlicher Liturgie und persönlicher Frömmigkeitsübung.
Diese Werkzeuge des Gebets waren zu allen Zeiten auch ein Gegenstand der Zier. Eine prächtige Ausstattung war einerseits äußerer Ausdruck des würdevollen Inhalts und des frommen Zwecks, dem sie dienten. Schöne und kostbare Gegenstände schmückten aber auch ihre Träger und dienten ihrer Repräsentation.
Ein prachtvoller Rosenkranz und ein reich verziertes Gebetbuch waren auch ein Medium, Status und Reichtum beim sonntäglichen Kirchgang zur Schau zu tragen. Die Hundszeller Ausstellung schöpft aus den Schätzen einer umfangreichen Ingolstädter Privatsammlung und aus den Beständen von Stadtmuseum und Wissenschaftlicher Stadtbibliothek. Zur Ausstellung erscheint ein reich bebilderter Katalog.


8. Juli 2012 – 31. Oktober 2012
Nützlich und schön. Textile Handarbeiten damals und heute


Ausstellungen 2011

03. April 2011 – 26. Juni 2011
Sachaufnahme.
Fotografien von Helmut Bauer


17. April 2011 – 26. Juni 2011
Begegnung
Textilkunst von Andrea Dresely Keramik von Jochen Rüth


10. Juli 2011 – 25. September 2011
Hopfen und Malz.
Biergeschichte(n) in Zinn gegossen


18. September 2011 – 30. Oktober 2011
Deine Konsumlandschaft


Ausstellungen 2010

1. April 2010 – 31. Oktober 2010
„echt, stark!“
Naturstein im ländlichen Bayern

Bayern ist ein „steinreiches“ Land mit bedeutenden Vorkommen unterschiedlichster Gesteinsarten, vom Granit des Bayerwaldes bis zum Basalt der Rhön, vom fränkischen Muschelkalk bis zum Tuff der Voralpen. Eine Gemeinschaftsausstellung süddeutscher Freilichtmuseen erzählt aus der Kulturgeschichte dieser früher so wichtigen Bodenschätze: von deren Abbau und Verarbeitung, von den vielfältigen Verwendungsformen, vor allem aber von den Menschen, die mit dem Stein gearbeitet und von ihm gelebt haben.
Kalkstein aus dem Jurameer
In den Mittelpunkt rückt die Hundszeller Ausstellung den „Hausstein“ der Ingolstädter, den Jurakalkstein der Frankenalb. Berühmt geworden sind die Steinbrüche von Eichstätt-Mörnsheim-Solnhofen, vor allem wegen ihrer Lithographiesteine und ihrer spektakulären Fossilienfunde. Darüber hinaus aber wurde der Kalkstein in zahllosen Dorfsteinbrüchen überall auf dem Jura abgebaut und hat dort, als universal verwendetes Baumaterial, eine weltweit einmalige Hauslandschaft geprägt. Auch vom „Jurahaus“, das einst bis nach Ingolstadt verbreitet war, erzählt die Ausstellung in anschaulichen Bildern, mit einer originalgetreuen Legschieferdeckung und einer Fotoschau des Jurahaus-Vereins.
„Hart is da Stoa, und hart is unser Leben“

Der Abbau geschah in zahllosen Steinbrüchen, von denen die meisten längst aufgelassen wurden und in die Landschaft eingewachsen sind. Sie reichten von den „Bauernbrüchen“ für den dörflichen Eigenbedarf über kleine Familienbetriebe bis hin zu den Großunternehmen der Granit- und Basaltindustrie und den „Steingiganten“ am Untermain. Die Arbeit in den Steinbrüchen war sprichwörtlich hart. Dennoch waren die Arbeitsplätze heiß begehrt, war das Steingewerbe doch häufig die einzige Industrie weit und breit. Die Ausstellung lässt die harte Welt der Steinbrecher lebendig werden, mit eindrucksvollen Fotografien sowie mit Film- und Tondokumenten. Sie lassen die Mühsal der Arbeit erahnen, erzählen aber auch vom Können und vom Berufsethos einer Branche, die einmal zu den wichtigsten in Bayern gehörte.

Fußböden und Schiefertafeln
Gebraucht wurde der Stein überall, wo man baute: für Straßen und Brücken, entlang der Flüsse und für die Eisenbahn. Und natürlich beim Hausbau, wo er, von den Grundmauern bis zum Dach, in allen Teilen Verwendung fand, selbst noch bei der Ausstattung mit den Dingen des Alltags – vom Futtertrog bis zur Wärmflasche. Auf Schiefertafeln lernten die Schüler schreiben, in Stein gemeißelt sind die Namen der Verstorbenen.


1. Mai 2010 – 25. Juli 2010
Auf Stein gedruckt
Arbeiten aus der Lithographie-Werkstatt Eichstätt
Erst im Jahr 1796 von Alois Sennefelder entwickelt, spielte der Steindruck eine wichtige Rolle in der Kunst- und Gebrauchsgraphik des 19. Jahrhunderts. Das nötige Steinmaterial stammte überwiegend aus den berühmten Brüchen bei Mörnsheim und Solnhofen. Die Ausstellung informiert über Technik und Geschichte der Lithographie und zeigt historische Beispiele aus dem Stadtarchiv Ingolstadt. Im Zentrum aber steht eine breite Auswahl moderner Steindrucke, gefertigt von zeitgenössischen Künstlern in der Lithographie-Werkstatt Eichstätt.
Mit Ausstellungsstücken von
Angelo Evelyn, Rotterdam
Hans Karelszoon Van Dijck, Antwerpen
Otto Heigold, Luzern
Jean-Jacques Ostier, Paris
Martin Noll, Berlin
Li Portenlänger, Eichstätt
Wolfgang Schmitz, Wuppertal


8. August 2010 – 31. Oktober 2010
Brüche
Fotografien von Hubert Klotzeck
Hubert Klotzeck lebt in der Nähe von Eichstätt, auf dem Jura. In exzellenten Fotografien nimmt er den Betrachter mit in die raue und bizarre Welt der Steinbrüche seiner Heimat. Eine Welt künstlich geschaffener und dennoch archaisch wirkender Landschaften. Und in den Brüchen: die Spuren der Menschen, die am Stein arbeiten oder vor unbestimmter Zeit daran gearbeitet haben. Spröde und abweisend, wie diese Welt auf den ersten Blick wirkt, berührt sie uns zugleich mit ihrer unwirklichen Schönheit.


Ausstellungen 2009

3. Juli 2009 – 31. Oktober 2009
Kuhhandel
Vom Umgang mit einem Nutztier
Europas Rinder machen Schlagzeilen. Beherrschten vor wenigen Jahren BSE und Massenkeulungen die Medien, so sorgen heute verfallende Milchpreise und Ersatzstoffe für „Käse“ für Diskussionsstoff.
Aus unserem alltäglichen Sprachgebraucht lässt sich das Rind ohnehin nicht wegdenken, ob wir nun „den Stier bei den Hörnern packen“, ob die Schlachtung „heiliger Kühe“ ansteht oder ob ein „Tanz ums goldene Kalb“ veranstaltet wird.
Mit echten Rindern – in Bayern lieben rund vier Millionen – werden wir heute eher selten konfrontiert, Rinderhaltung ist die Sache von Spezialisten geworden. Die aus dem Rind gewonnenen Produkte hingegen gehen kaum auf die sprichwörtliche Kuhhaut: Milch mit ihren Veredelungsprodukten ist noch immer eines der wichtigsten Nahrungsmittel. Die Ausscheidungen dienen als Dünger und zur Biogaserzeugung. Schlachtrinder liefern Fleisch, Leder und Horn, aber auch Wirk- und Hilfsstoffe für Kosmetika und Medikamente.
„Kuh-Handel“ lautet der Titel einer kulturgeschichtlichen Ausstellung, in der sich alles um unser wichtigstes Nutztier dreht. Sie zeigt das Tier als Handelsobjekt und Nahrungslieferanten, als Arbeitsgefährten des Menschen und als Objekt traditioneller und moderner Zuchtmethoden, als Werbeträger und Kunstobjekt.

Die Ausstellung „Kuhhandel“ ist ein Gemeinschaftswerk von fünf landwirtschaftlichen Museen in Bayern:
Bauernmuseum im Fischerdorf, Landkreis Bamberg
Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz
Niederbayerisches Landwirtschaftsmuseum Regen
Rieser Bauernmuseum Maihingen
Gerätemuseum des Coburger Landes, Ahorn

Ausstellungen 2008

23. März 2008 – 1. Juni 2008
Alte Häuser aus Litauen
Eine fotografische Reise ins Freilichtmuseum Rumsiskes
Die Fotografien des Ingolstädter Pressesprechers Dr. Dr. Gerd Treffer zeigen archaische Holzbauten mit Strohdächern und andere Zeugnisse einer untergegangenen dörflichen Kultur.
Die Aufnahmen entstanden im ältesten und größten Freilichtmuseum von Litauen in der Nähe des Kaunasser Meeres.


ab 11. Mai 2008
Stadt & Wald. Ingolstadt und seine Wälder
Lebenswichtiger Wald: Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts, als Kohle und Eisen in immer größeren Mengen verfügbar wurden, endete in Mitteleuropa das „Hölzerne Zeitalter“. Bis dahin war Holz ein unentbehrlicher, durch nichts zu ersetzender Rohstoff: Als Brennmaterial zum Kochen und Heizen ebenso wie als Baumaterial für Häuser und Brücken oder als Werkstoff für die Handwerke. Der Wald als Lieferant von Holz war deshalb von existentieller Bedeutung für die Versorgung von Stadt und Land
Doch die Funktionen des Waldes gingen noch weit darüber hinaus: Er lieferte die Rohstoffe für Köhler, Pechsieder und Aschenbrenner, versorgte die Bevölkerung mit Kräutern, Beeren und Pilzen und war das Jagdrevier für die Privilegierten. Vor allem aber war der Wald ein unverzichtbarer Futter- und Streulieferant für die Landwirtschaft.
Die Ausstellung über Ingolstadts Wälder spürt der Geschichte dieser lebenswichtigen Ressource nach. Sie zeigt, wie die Ansprüche an den Wald sich im Laufe der Zeit verändert haben, und welche Folgen dies für die Bewirtschaftung und das Aussehen des Waldes hatte.
Die Wälder von Ingolstadt: Ingolstadt besaß von jeher eigene Wälder. Die „Schütten“, ausgedehnte Auwälder im Einzugsbereich der ehemals vielarmigen Donau, waren alter Allmendbesitz. Im Jahr 1357 wurde der Stadt zusätzlich der so genannte Neuhau, ein großer herzoglicher Forst zwischen Stammham und Wettstetten, überlassen.
Die Versorgung der Stadt und ihrer Bürger mit Bau- und Brennholz konnte über Jahrhunderte hinweg vorwiegend aus diesen stadteigenen Wäldern, Auen und Neuhau, bestritten werden.
Aber auch die Bauern waldreicher Dörfer wie Gerolfing haben den Ingolstädter Holzmarkt beliefert. Der gewaltige Holzbedarf für die Festung hingegen wurde überwiegend aus dem herzoglichen Köschinger Forst gedeckt.
Einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Ingolstädter Waldes markiert dessen Privatisierung am Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals wurde ein Großteil des städtischen Waldbesitzes parzelliert und per Los unter sämtliche Bürger der Stadt und der zugehörigen Dörfer verteilt. Vor allem im Neuhau führte dies zu großen Nachteilen für den Wald, mit Abholzungen und unterlassener Rekultivierung.
Durch Schenkungen und Käufe konnte die Stadt im Laufe der Zeit wieder große Teil des Neuhaus und des Auwaldes in ihren Besitz bringen, und seit Mitte des 19. Jahrhunderts liegt die Bewirtschaftung des städtischen Waldes in den Händen geschulter Forstleute.
Der Stadtwald heute: Zusammensetzung und Aussehen der Ingolstädter Wälder haben sich seit dem Mittelalter grundlegend verändert. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Neuhau, einem am Anfang des 18. Jahrhunderts noch überwiegend von Eichen geprägten Laubwald, der sich innerhalb von 100 Jahren in einen fast ganz von der Fichte dominierten Nadelwald verwandelte. Erst in jüngster Zeit wird der Anteil der Laubbäume wieder gezielt gefördert.
Der Wandel im Erscheinungsbild ging einher mit veränderten Ansprüchen an den Wald: Als Weidefläche oder Streulieferant spielt der Wald längst keine Rolle mehr, und bei der Holzproduktion steht heute ganz die Erzeugung von Stammholz im Vordergrund, während das früher so bedeutende Brennholz zum Nebenprodukt geworden ist. An die Stelle traditioneller Funktionen sind neue Zielsetzungen getreten. Der Wald ist ein wichtiges Schutzgebiet für das Ingolstädter Trinkwasser, und Anforderungen des Umweltschutzes sind bei der Bewirtschaftung ein wichtiger Aspekt.
Stadtwald heute – Auwald Unschätzbar ist der Wert des städtischen Waldes als Naherholungsgebiet. Mit seiner Vielfalt der Standorte, seinem Artenreichtum und seiner Schönheit verkörpert er heute wie ehedem einen kostbaren Besitz für die Stadt und ihre Bewohner.


Ausstellungen 2007

1. April 2007 – 31. Oktober 2007
Feurio!
Feuergefahr und Brandbekämpfung auf dem Lande
Feurio! – Über die Jahrhunderte hinweg hat dieser Alarmruf bei den Menschen auf dem Lande Angst und Schrecken verbreitet. Mit seiner engen Bebauung, seinen bis unters Dach mit Heu und Stroh gefüllten Scheunen, und seinen Häusern, die lange Zeit überwiegend aus Holz gebaut und mit Stroh gedeckt waren, bot das alte Dorf geradezu ideale Bedingungen für die vernichtende Kraft des Feuers. Ein Blitzschlag, eine undichte Fuge im Kamin, ein einziger Funken beim Hantieren mit offener Flamme konnte hier genügen, um eine verhängnisvolle Kettenreaktion in Gang zu setzen. Immer wieder kam es auf den Dörfern daher zu Brandkatastrophen, an deren Ende Dutzende von Höfen in Schutt und Asche lagen.
Die Abgebrannten standen häufig vor dem Nichts. Mit Haus und Hof, mit den Mobilien und womöglich mit dem Vieh gingen nicht nur die Behausung und der Besitz in Rauch und Flammen auf. Vernichtet waren auch wichtige Grundlagen des Lebensunterhaltes: Scheune, Ställe, Futter, Vorräte und Saatgut, Spannvieh, Geräte und Maschinen. Ohne die solidarische Hilfe der Nachbarschaft, bei größeren Brandkatastrophen aus dem ganzen Land, wären viele nicht mehr auf die Beine gekommen. Der Brandbettel bot freilich nur notdürftige Hilfe und bot manchen Anlass für Betrügereien. Erst mit den seit der Zeit um 1800 entstehenden Brandversicherungsanstalten entwickelte sich eine verlässliche Absicherung gegen die materiellen Risiken einer Feuersbrunst.
Verstärkt wurden auch die Anstrengungen auf dem Gebiet der Brandvorsorge, mit strengeren Bauvorschriften und konsequenter Feuerbeschau. Denn war einmal ein Feuer ausgebrochen, so standen zu seiner Bekämpfung lange Zeit nur unzureichende Mittel zur Verfügung. Grundsätzlich waren alle Dorfgenossen zum Einsatz verpflichtet, mit besonderen Aufgaben für die Fuhrwerksbesitzer und für bestimmte Berufsgruppen wie die Schmiede, Zimmerer oder Maurer. Doch die zu einem Brand Ausrückenden waren schlecht organisiert, kaum trainiert und mit Eimern, Leitern, Feuerhaken und vielleicht einer primitiven Handspritze meist nur jämmerlich ausgerüstet.
Erst mit der Entstehung der Freiwilligen Feuerwehr auf den Dörfern in einer wahren Gründungswelle seit Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich diese Situation grundlegend geändert. Zusammengesetzt aus Freiwilligen, organisiert und trainiert nach militärischem Vorbild, und ausgestattet mit immer leistungsfähigerem Löschgerät, ist es den Feuerwehren zunehmend gelungen, Leben und Eigentum der Bewohner zu schützen und ihre Ortschaften vor den früher so gefürchteten großflächigen Dorfbränden zu bewahren.
Zuflucht vor der elementaren Feuersgewalt des Blitzes suche man vielfach im Überirdischen. Mit Gebet, Wetterläuten, gedruckten Segenssprüchen und mancherlei anderen Arten von Abwehrritualen hoffte man die Gefahr zu bannen.
Veranstaltungshinweis: Vom 23. Juni bis 26. August 2007 befasst sich auch die Ausstellung „Feuer aus!“ mit dem Ingolstädter Feuerlöschwesen im Wandel der Zeit.
Die Ausstellung „Feurio!“ wurde, was Idee, Konzeption und Gestaltung betrifft, in großen Teilen vom Fränkischen Freilandmuseum Bad Windsheim übernommen, wo sie im Jahr 2005 unter dem Titel „Feuer unterm Dach … und Brand auf dem Land“ zu sehen war.


3. August 2007 – 31. Oktober 2007
Landwirtschaft im Zeichen der vier Ringe
Motoren und Fahrzeuge der Auto Union, ihrer Vorgänger und Nachfolger in Land- und Forstwirtschaft
Der Name Audi steht heute für einen der erfolgreichsten deutschen Autohersteller, und man verbindet damit vor allem luxuriöse und PS starke Autos der Premium-Klasse. Die bescheidenen Anfänge der AUTO UNION nach der Neugründung des ehemals sächsischen Traditionsunternehmens 1949 in Ingolstadt sind hier, am heutigen Firmensitz und Hauptproduktionsstandort der AUDI AG, noch vielen in Erinnerung. Der sagenhafte Aufstieg von der „Union“ zur „Audi“, vom Hersteller preisgünstiger Motorräder und PKW zu einem der Marktführer im oberen Preissegment ist allseits bekannt, für viele verbunden mit der Geschichte ihres Arbeitslebens.
Weitgehend in Vergessenheit geraten ist hingegen, welch große Anstrengungen DKW und die 1932 aus dem Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer hervorgegangene AUTO UNION einst unternahmen, um die Landwirtschaft als Abnehmer für ihre Motoren und Fahrzeuge zu gewinnen – und welchen Beitrag zur Motorisierung der Landwirtschaft sie auf diese Weise leisteten.
Dies begann in den 1920er Jahren, als die Landwirtschaft einen ersten großen Schub der motorunterstützten Mechanisierung erlebte. Der legendäre DKW-Zweitaktmotor wurde in dieser Zeit massiv für den Einsatz bei der Feld- und Hofarbeit beworben. Man bot den Motor als universell einsetzbaren Stationärmotor an, der jede der damals auf den Höfen angeschafften Maschinen anzutreiben vermochte, von der Kreissäge bis zur Dreschmaschine. Daneben produzierte man Einbaumotoren für verschiedene Hersteller von Hof- und Feldmaschinen, wobei die DKW-Motoren offenbar vor allem bei Bindemähern und bei Spritzen für den Obst-, Wein- und Hopfenbau zum Einsatz kamen. Aber auch mit dem Antrieb von selbstfahrenden Hackgeräten und Kartoffelrodern und selbst mit dem Bau kleiner Zugmaschinen für den Ackerbau wurde bei DKW experimentiert.
Nach dem zweiten Weltkrieg und der Neugründung der AUTO UNION im Westen fertigte man neben Motorrädern und preiswerten PKW vor allem „nützliche“ Fahrzeuge für die boomende Nachkriegswirtschaft, die hungrig war nach Transportmitteln. Mit dem DKW-Schnell-Laster, einem leichten, in seiner Vielseitigkeit unschlagbaren Lieferwagen, aber auch mit Kombi-Ausführungen der PKW brachte man entsprechende Fahrzeuge auf den Markt. Und erneut waren Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau, aber auch angegliederte Bereiche der Ernährungs- und Versorgungswirtschaft heftig umworbene Zielgruppen. Vom Schnell-Laster baute man sogar spezielle Ausführungen, die als „Metzgerwagen“ oder „Bäckerwagen“ auf den Markt kamen.
Auch der MUNGA, ein von 1958 bis 1968 für die Bundeswehr gebauter Geländewagen, wurde in ziviler Ausführung als Nutzfahrzeug in der Land- und Forstwirtschaft propagiert. Als wirklich ackertaugliche Zugmaschine erwies sich der MUNGA freilich ebenso wenig wie die Geländewagen anderer Hersteller. Liebhaber fand er eher unter den Forstwirten und Jägern.
Wie sehr in der Nachkriegszeit die Landwirtschaft mit ihren damals noch Millionen von Beschäftigten im Fokus der Fahrzeugindustrie stand, zeigt schließlich das Beispiel der DKW-„Hummel“, des kleinen, damals ohne Führerschein zu fahrenden Mopeds. „Die Hummel hilft dem ganzen Hof“, legte man der modernen, mobilgemachten Bäuerin ans Herz.
Die Ausstellung wird maßgeblich unterstützt von der AUDI AG. Die mit der Erforschung und Dokumentation der Firmengeschichte befasste Abteilung Audi Tradition gab die Anregung zu diesem Projekt und stellte den Großteil der gezeigten Fahrzeuge, Motoren und originalen Werbemittel zur Verfügung. Zur Ausstellung erschien ein Katalog, verfasst von Audi Tradition und herausgegeben vom Stadtmuseum, in dem erstmals das umfangreiche, auf die Zielgruppe der Land- und Forstwirte ausgerichtete Werbematerial von AUTO UNION und Vorläufern ausgewertet und in zahlreichen Fotos dokumentiert ist.


Ausstellungen 2006

2. April 2006 – 11. Juni 2006
Auf der Hut
Hirtenleben und Weidewirtschaft
Zwischen harter Wirklichkeit und Idyll, gesellschaftlicher Geringachtung und religiöser Symbolik vom guten Hirten spannt sich unser Bild vom Hirtenleben. Von den schönen Dingen der Volkskunst und dem grauen Alltag mit dem Vieh, vom Leben im Einklang mit der Natur und vom Hausen in armseligen Hirtenhäusern handelt die Ausstellung „Auf der Hut“.
Auf der Hut ist eine Ausstellung süddeutscher Freilicht- und Volkskundemuseen:
Oberpfälzer Freilandmuseum Neusath-Perschen
Fränkisches Freilandmuseum Bad Windsheim
Niederbayerisches Freilichtmuseum Finsterau
Fränkisches Freilandmuseum Fladungen
Schwäbisches Bauernhofmuseum Illerbeuren
Freilichtmuseum des Bezirks Oberbayern an der Glentleiten, Großweil
Bauerngerätemusem Ingolstadt-Hundszell
Gerätemuseum des Coburger Landes Ahorn
Deutsches Hirtenmuseum Hersbruck
Oberfränkisches Bauernhofmuseum Kleinlosnitz

Was die Ausstellung zeigt:
Weidevieh war immer und überall. Seit Jahrtausenden. Auf dem Dorfanger und bis vor die Tore der Stadt, hoch auf den Almen der Gebirge und Mittelgebirge, in den Flussauen, in den Wäldern und auf den weiten, trockenen Hochebenen.
Hirten gehörten zu jeder Gesellschaft, in jede Kultur. Für Brauchtum und Volkskunst, Handwerk und Industrie waren Weidewirtschaft und Hirtenwesen bedeutsam. Sie beeinflussten Siedlung, Natur und Landschaft.
Die jüngste technische Revolution in der Landwirtschaft hat auch dies geändert. Vieles ist bereits dem Vergessen nahe: Gänse- und Ochsentrieb über hunderte Kilometer, Waldweide in den Staatsforsten, Schellenbogenschnitzen, der tägliche Aus- und Heimtrieb des Viehs mitten durchs Dorf, die kleinen Hirtenhäuser, der Klang der Schellen und der Pfiff nach den Hunden.
An all dies erinnert die Ausstellung „Auf der Hut – Hirtenwesen und Weidewirtschaft“. Mit Hilfe von Architekturmodellen, Tondokumenten und alter Photographien, an Hand von Schriftquellen und vor allem am Beispiel zahlreicher Museumsoriginale wird die Erinnerung an die Welt der Hirten wiederbelebt.
Kulturhistorische Information und Anregung zu lebendigem Nachempfinden halten sich die Waage. Idyllische Vorstellung und harte geschichtliche Wirklichkeit finden Beachtung.
Das ganze Spektrum von der feudalen Großschäferei bis zur Gänsemagd auf dem Hutanger wird in Erinnerung gerufen.


9. Februar 2006 – 29. Oktober 2006
Mit Sack und Pack
Gewebte Säcke und Taschen orientalischer Hirtenvölker
Bei den Nomadenkulturen des Orients ist es seit uralten Zeiten gebräuchlich, die auf den Wanderungen benötigten Nahrungsmittel, Vorräte und alltäglichen Utensilien in textilen Behältern verschiedenster Art aufzubewahren und zu transportieren. Aufgrund ihrer qualitativ hochwertigen und künstlerisch anspruchsvollen Ausführung sind die Packtaschen, Vorratssäcke und sonstigen Behältnisse über ihre reine Gebrauchsfunktion hinaus auch beliebte Dekorationsstücke. Mit ihren typischen Ornamenten und Mustern weisen sie zudem auf die Zugehörigkeit zu einem Stamm oder auf eine bestimmte regionale Herkunft hin.
Webstücke, zu denen neben den Behältnissen aller Art auch Kelims, Tierdecken, Schmuck- oder Zeltbänder gehören, sind Bestandteil der Mitgift für Neuvermählte und demonstrieren in Anzahl und Ausführung den finanziellen Status der beteiligten Familien.
Zur Herstellung der Gewebe dienen die vor Ort verfügbaren Rohstoffe, vor allem Schafswolle, vereinzelt auch Baumwolle, Ziegenhaar und Seide, sowie Farbstoffe aus der Natur. Die Verarbeitung solch einfacher Materialien zu kunstvollen Geweben erfordert Geschick, Können und Erfahrung in den Techniken des Webens und Broschierens sowie des Färbens.
Die hier dokumentierten Webstücke bieten einen kleinen Querschnitt durch die Sammlung Gerhard Hummel. Die Stücke stammen aus dem Orient (Türkei, Kaukasus, Persien, Afghanistan, Pakistan, Usbekistan), wo sie in der Regel in Gebrauch waren. Unter dem Ausstellungstitel „mit Sack und Pack“ werden die wichtigsten Stücke der Sammlung im Bauerngerätemuseum Hundszell erstmals öffentlich vorgestellt.

Ausstellungen 2005

27. März 2005 – 5. Juni 2005
Fremde auf dem Land
Ein überraschendes Ausstellungsthema? Gilt das alte Dorf nicht als Inbegriff einer geschlossenen Gesellschaft, einer Welt, die fremden Einflüssen unzugänglich war? – Und doch gab es sie, die Fremden auf dem Lande: Wandermusikanten, Schwabenkinder, Heimatvertriebene, Hopfenzupfer, Kesselflicker und Scherenschleifer, um nur einige zu nennen.
Von diesen und anderen Wanderern zwischen zwei Welten erzählt eine gemeinsame Ausstellung der bayerischen Freilichtmuseen. Sie spannt den Bogen von den friaulischen Zieglern des 19. Jahrhunderts bis zu den polnischen Erntehelfern unserer Tage. Die Menschen kamen und kommen auf die Dörfer, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.
Die Einheimischen waren früher nicht viel anders als heute: Die Fremden sehen anders aus, kennen sich nicht aus, sprechen eine andere Sprache und haben andere Traditionen. In diesem Sinne „stören“ sie die dörfliche Gesellschaft. Zu sehen, wie das Dorf in der Regel von diesem Zusammentreffen profitiert hat und wie in den Fällen dauerhafter Zuwanderung die Integration am Ende doch gelungen ist und bereichernd wirkte, mag manche unserer heutigen Probleme in einem anderen Licht erscheinen lassen.


26. Mai 2005 – 31. Oktober 2005
Kleine Dorfwelten
Dorfgeschichte im Guckkasten: Miniaturen von Clemens Nißl
„Dioramen“, dreidimensionale Bilder von plastischer Wirkung, kennen wir vor allem in Form der Schlachtenbilder: aufgestellt in Reih und Glied stehen sich die gegnerischen Zinnsoldaten in einer dem historischen Schlachtfeld nachgebauten Miniaturlandschaft gegenüber.
Clemens Nißl, 1932 in Gerolfing bei Ingolstadt geboren und heute in Obereichstätt lebend, baut seit rund 30 Jahren Dioramen. Auch bei ihm spielen die Zinnsoldaten eine wichtige Rolle, sein Hauptaugenmerk aber gilt einem anderen Thema: Aufgewachsen auf einem Bauernhof hat ihn das Interesse am dörflichen Milieu, am Leben und Arbeiten der Bauern nie losgelassen, auch nicht während seines späteren Berufes als Eisenbahner. Also begann er, Szenen des dörflichen Alltagslebens nachzubauen, gestützt auf eigene Erinnerung, auf die Erzählungen der Alten oder, für die frühere Zeit, auf die Lektüre von Geschichtsbüchern. Sein geschichtliches Interesse führte ihn in immer frühere Zeiten zurück und zu immer neuen historischen Ereignissen. So entstand im Laufe der Jahre nichts weniger als ein bildhafter Längsschnitt durch die Geschichte von Landwirtschaft und dörflichem Leben.
Mit gestalterischer Fantasie, künstlerisch-handwerklicher Begabung und schier unendlicher Geduld gelangen ihm Bilder von spontaner Lebendigkeit und faszinierender Anschaulichkeit. Vielfach hat Nißl die Geschichten, die er erzählt, in die topographische und bauliche Situation seines Geburtsortes Gerolfing versetzt, bisweilen auch in jene seiner zweiten Heimat im Altmühltal.
Inzwischen gibt es mehr als 100 Dioramen aus seiner Hand. 30 dieser „Guckkästen in die Geschichte“ sind nun in Hundszell ausgestellt. Präsentiert als eingebaute Schaukästen können sie ganz ihre plastische Wirkung entfalten. Die ausgewählten Dioramen zeichnen die großen Linien der bäuerlichen Geschichte nach, von der Vor- und Frühgeschichte des Ackerbaus bis in die Gegenwart – ein Bilderbogen der Agrargeschichte und der dörflichen Entwicklung. Ergänzt sind die Schaubilder durch einzelne originale Zeugnisse aus drei Jahrtausenden Landwirtschaft im Raum Ingolstadt.
Für Schulklassen wurde ein eigenes museumspädagogisches Aktionsprogramm zu dieser Ausstellung entwickelt.


24. Juli 2005 – 31. Oktober 2005
Agrikultur in Miniatur
Bauernhof und Landtechnik im Modell und als Spielzeug
Der Bauernhof mit seinen Tieren, seinen Wägen und Maschinen zählte früher zu den beliebtesten Spielzeugen. Und er ist es, trotz großer Konkurrenz, bis heute geblieben. Mit seinen vielen beweglichen Teilen – Gebäuden, Tieren und Maschinenpark – bietet er unbegrenzte Spielmöglichkeiten, attraktiv für Buben und Mädchen gleichermaßen.
Neben der Miniatur als Spielzeug gibt es seit Langem landwirtschaftliche Modelle, die anderen Zwecken dienen. Vor allem das umfassende und sich ständig erweiternde Sortiment an Geräten und Maschinen hat die Leidenschaft von Modellsammlern und Modellbauern auf sich gezogen. Unter Sammlern wie Konstrukteuren gibt es auf der einen Seite die Liebhaber moderner Technik, vor allem der Traktoren mit ihrer Hersteller- und Typenvielfalt. Auf der anderen Seite überwiegt die Leidenschaft für die traditionelle Ausstattung der Höfe, für die einfachen Handgeräte und die anfänglichen, robusten und in ihrer Funktion noch unmittelbar begreifbaren Maschinen.
Die Herstellung der Miniaturen liegt einerseits bei den Modellbaufirmen, von denen sich einige ganz auf die „Agrominiatur“ verlegt haben. Aber sie liegt auch vielfach in den Händen privater „Bastler“, die es oft zu großer Meisterschaft bringen und ganz der Faszination ihres Hobbys erliegen: die große Welt im Kleinen neu zu erschaffen.
Daneben gibt es vor allem ältere landwirtschaftliche Modelle, die nicht aus Spiel- oder Sammelfreude entstanden, sondern als Lehr- oder Verkaufsmodelle der Veranschaulichung im Unterricht oder beim Vertrieb der originalen Maschinen dienten.
Die Ausstellung zeigt die ganze Bandbreite dieser vielfältigen Aspekte einer nur scheinbar trivialen „Mini-Kultur“. Gezeigt werden Lehrmodelle des 19. Jahrhunderts aus der Hohenheimer Sammlung des Deutschen Landwirtschaftsmuseums. Historische Spielzeug-Bauernhöfe und kostbare frühe Modelle stammen vom Spielzeugmuseum Nürnberg. Aus den Eigenbeständen des Stadtmuseums Ingolstadt kommen mehrere Serien, die als „Bauernmodelle“ zusammengefasst sind, weil ihre Hersteller, vielfach aus dem bäuerlichen Milieu stammend oder damit früher beruflich in Verbindung stehend, in ihnen gewissermaßen die Zeit ihrer Kindheit und Jugend wieder suchen. Und die Ausstellung schöpft aus den Schätzen mehrerer privater Sammlungen, die sich ganz der Landtechnik und hier vor allem dem Schlepper mit seinen Anbaugeräten verschrieben haben. Den Abschluss und Höhepunkt bildet hier ein gigantischer Modell-Bauernhof, die Nachbildung eines modernen Viehhaltungs-betriebes, ausgestattet mit modernster Technik – Maßstab 1:32.

Ausstellungen 2004

4. April 2004 – 31. Oktober 2004
Feuer und Eisen – Arbeit und Wandel des Schmiedehandwerks
Der Schmied war neben dem Wagner der wichtigste dörfliche Handwerker. Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein fertigte er so gut wie alle eisernen Geräte für die Landwirtschaft und den bäuerlichen Haushalt. Mit dem Aufblühen der eisenverarbeitenden Industrie verschob sich die Tätigkeit des Schmiedes zunehmend auf Schlosserei- und Reparaturarbeiten hin. Als nach dem zweiten Weltkrieg der Schlepper seinen Siegeszug in der Landwirtschaft hielt, fiel auch noch der Hufbeschlag als wichtiger Zweig des Schmiedehandwerks weg. Auf der anderen Seite ergriffen viele Schmiede die Chance, ihrem Betrieb mit der Reparatur und mit dem Handel von Landmaschinen eine neue und zeitgemäße Grundlage zu schaffen.

In Hundszell wird im Sommer 2004 eine Schmiedewerkstatt eingerichtet, in der auch Vorführungen des Handwerks stattfinden können. Eine begleitende Sonderausstellung beschreibt die traditionelle Arbeit des Schmiedes und den Wandel dieses Handwerks im vergangenen Jahrhundert.


30. April 2004 – 29. August 2004
Ein Landei macht Karriere
70 Jahre Donald Duck
Es war am 9. Juni 1934 in dem Disney-Film „The Wise Little Hen“, als eine unscheinbare Ente im Matrosenanzug die Bühne betrat, deren Bretter – für eine Comic-Figur jedenfalls – die Welt bedeuten. Es sollte der Beginn einer beispiellosen Karriere sein.
Ja, Donald Duck wird 70, und wir widmen ihm aus diesem Anlass eine Ausstellung, die den glänzenden Verlauf seiner Karriere nachzeichnet. Wie müsste ihm das gefallen – ihm, dem im „wirklichen Leben“ zu kurz Gekommenen, der unsere Sympathien als steter Verlierer in seinen alltäglichen Kämpfen erobert hat!
Wir verdanken die Ausstellung der Donald-Leidenschaft eines Sammlers und eines Künstlers. Der Enthusiasmus des Ingolstädter Donaldisten Gerhard Severin schuf eine „Duckiana“-Sammlung von wohnungssprengenden Ausmaßen. Standen am Anfang die Comics im Mittelpunkt, so wuchs im Laufe der Jahre eine Rundumsammlung mit einer unglaublichen Fülle von Figuren und Darstellungen jeder Form und Technik. Sie weist Donald als die Kultfigur der Disney-Vermarktungs-Industrie aus, als den Hauptdarsteller einer Merchandising-Maschinerie von Dagobert’schen Dimensionen. In erster Linie freilich entführen die Bilder und Figuren in die komplexe Welt von Entenhausen und seiner Bewohner. Nicht zuletzt entlarven sie die – bekanntlich nicht immer vorteilhaften – Charaktereigenschaften von Donald und seiner Mit- und Gegenspieler.
Eben diesen Verwerfungen in Donalds Charakter widmet sich der 1991 mit dem Ingolstädter Kunstpreis ausgezeichnete Maler Matthias Schlüter in seinen Bildern. Die Donald-Gemälde entstanden nicht in der professionellen Absicht eines thematischen Zyklus, sondern sporadisch im Laufe von Jahrzehnten ganz aus Schlüters persönlicher Begeisterung für Donald heraus. Das Ergebnis ist ein Parforceritt durch die jüngere Kunstgeschichte, mit einem einzigen Protagonisten – dem heute 70jährigen Donald Duck.


5. September 2004 – 31. Oktober 2004
Die Welt der Bäume
Die Leidenschaft für die Welt der Bäume hat Rudolf Wittmann von Kindheit an begleitet, und sie hat ihn bis heute nicht mehr losgelassen. Als Försterssohn im Oberpfälzer Wald aufgewachsen war sein liebster Spielplatz eine 30 Meter hohe Linde vor dem elterlichen Forsthaus. Unvergessen seien ihm die glücklichen Stunden, „wenn die Blüten Tausende von Bienen anlockten und es um mich herum betörend duftete und summte.“ Heute lebt Rudolf Wittmann in Ingolstadt und hat von Berufs wegen mit Bäumen zu tun, als Gärtnermeister und Baumsachverständiger. In seiner Freizeit aber ist er zum leidenschaftlichen Fotografen geworden.
Diese Passion hat ihn gemeinsam mit seiner Lebenspartnerin im Laufe der Jahre zu immer ferneren Ländern in alle Teile der Welt geführt. Das Ziel dieser Foto-Expeditionen war immer das gleiche: die faszinierende Welt der Bäume.
Die Reisen führten von der Wolfgangs-Eiche bei Regensburg bis zu den gespenstischen Sumpfzypressen-Wäldern in Louisiana, von den majestätischen Parkbäumen Englands bis zu den surrealen Kameldornbäumen der namibischen Wüste. Sie führten zu griechischen Baumheiligtümern, zu den Giganten der kalifornischen Mammutbäume und in die zauberhaften Baumwelten Chinas.
So entstand im Laufe von Jahren eine Sammlung atemberaubender Bilder einzelner Baumpersönlichkeiten oder ganzer Baumlandschaften. Eine Auswahl der eindrucksvollsten Porträts ist 2003 in Buchform erschienen.
In Hundszell sind Wittmanns Arbeiten nun erstmals in einer Ausstellung zu sehen. Das größere Format offenbart noch mehr von der Anmut und Vollkommenheit, von der Majestät und Ausstrahlung jener Überlebenskünstler, die zu den ältesten und größten Lebewesen dieser Erde zählen: unseren Bäumen.

Ausstellungen 2003

30. März 2003 – 31. Oktober 2003
Mägde, Knechte, Landarbeiter
Über die Arbeitsbedingungen der dörflichen Unterschichten, der Mägde, Knechte und Landarbeiter, ist noch immer wenig bekannt. Dabei stellten früher auf jedem Dorf die Dienstboten, Tagelöhner und Wanderarbeiter einen bedeutenden Teil der Bevölkerung. Auch der Einsatz von Kriegsgefangenen war in der Landwirtschaft weit verbreitet. Wo und wie lebten die Dienstboten auf dem Hof? Wie wurde ihre Arbeit bezahlt? Wie war ihre rechtliche Situation? Gab es Freizeit?
Ausstellung und gleichnamiges Begleitbuch versuchen Antworten auf diese und weitere Fragen zu geben. Den zeitlichen Bogen spannen sie vom 19. Jahrhundert bis in die 50er Jahre des 20. Jahrhunderts. Im Zuge der Vollmechanisierung der Landwirtschaft hörte damals die Berufsgruppe der ländlichen Dienstboten quasi auf zu existieren. Die Ausstellung wurde als gemeinschaftliches Projekt von acht süddeutschen Museen erarbeitet. Im Bauerngerätemuseum Hundszell wird sie nun letztmals gezeigt.

Ausstellungen 2002

23. Juni 2002 – 29. September 2002
Stärker als 10 Pferde
Die Motorisierung der Landwirtschaft im Raum Ingolstadt
Nach einer Reihe von volkskundlichen und naturkundlichen Ausstellungen soll in Hundszell nun erstmals eine größere, ganz in eigener Konzeption entstehende agrargeschichtliche Sonderausstellung gezeigt werden.
Thema ist die Motorisierung der landwirtschaftlichen Arbeit mit ihrer geradezu revolutionären Wirkung auf Arbeitsleben, Produktivität sowie wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung auf dem Lande. Diese Entwicklung beginnt im Wesentlichen zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erfährt ihre Beschleunigung mit der Verbreitung des Schleppers nach dem Zweiten Weltkrieg.
Im Mittelpunkt der Ausstellung steht eine Auswahl erstrangiger Traktor-Oldtimer aus Privatbesitz. Neben dem Traktor werden alternative Antriebsmotoren (Benzin-, Dieselmotor, Elektromotor) gezeigt. Insbesondere zeigt die Ausstellung aber, welche Sekundärwirkung die Motorisierung in Hinsicht auf die Entwicklung und den Einsatz neuer Arbeitsmaschinen hatte, die mit den neuen Motoren bzw. Schleppern gezogen und angetrieben werden konnten.
Neben der Ausstellung von Motoren, Traktoren und Arbeitsmaschinen soll eine Fotoausstellung die Umsetzung dieser tiefgreifenden Neuerungen in Ingolstadt (Stadtbauern) und im Ingolstädter Umland aufzeigen.
Ein Katalog soll in einem textlichen Beitrag diesen Verlauf der Motorisierung im Raum Ingolstadt beschreiben, er soll eine Auswahl der historischen Fotos sowie eine katalogische Dokumentation der ausgestellten Maschinen bieten.


1. September 2002 – 13. Oktober 2002
Die Bavaria-Buche
Abschied vom Jahrtausend-Baum
Die Fotografen Helmut Dollhopf und Herbert Liedel haben der Bavaria-Buche von Pondorf, der vielleicht ältesten Buche Deutschlands, inzwischen zwei Bildbände gewidmet.
Eine Auswahl ihrer Fotos in großformatigen Abzügen zeigt die unvergleichliche Schönheit dieses Naturdenkmals, aber auch seinen allmählichen Zerfall in den letzten Jahren.


Ausstellungen 2001

1. April 2001 – 27. Mai 2001
Erinnerungsstücke. Geschenkkultur der Kaiserzeit
Aus der Sammlung Helga Breunig
Geschenke aus Porzellan gehören heute eher zu den Ausnahmen. Bei der Vielfalt unseres heutigen Wohn- und Lebensstils muss man den Geschmack des Beschenkten schon gut kennen, um nicht eine Enttäuschung zu riskieren.
Vor 100 Jahren war diese Gefahr nicht so groß. Es gab klar vorherrschende und den breiten Publikumsgeschmack prägende Stilrichtungen. Und das Schenken von Porzellan oder Gläsern war große Mode im bürgerlichen Milieu und von da aus bei einer breiten Bevölkerung.
Die Entstehung zahlreicher Manufakturen unter Einsatz serieller Dekorationstechniken hatte das Porzellan erschwinglich gemacht. Tassen, Teller und anderes Geschirr aus Porzellan wurden damit zum bevorzugten Freundschafts- und Erinnerungsgeschenk. Natürlich war es nicht für den täglichen Gebrauch gedacht. Wenn überhaupt, so wurde dieses Geschirr an besonderen Festtagen benutzt. Sonst übernahm es, geschützt im Vitrinenschrank, seine Rolle als Vorzeigeobjekt an exponierter Stelle.
Anlass zum Schenken gaben die einschlägigen Jahresfeste und besonders die großen Familienfeiern: Geburt und Taufe, Kommunion oder Konfirmation, Heirat und Ehejubiläum.
Wie heute, so wurde auch damals hauptsächlich innerhalb der Familie geschenkt, wobei der Pate noch eine besondere Rolle als Schenker und Beschenkter spielte.
Große Tradition hatte im Kaierreich aber auch das sogenannte Freundschaftsgeschenk. Der im 18. Jahrhundert entstehende Freundschaftskult bei Adel und Studentenschaft hatte im 19. Jahrhundert breite Teile des Bürgertums erfasst. Das „Zeitalter der Empfindsamkeit“ äußerte sich im Austausch freundschaftlicher Widmungen im Poesiealbum und in gegenseitigen Geschenken als Zeichen der Zuneigung und Verbundenheit.
Die Ausstellung schöpft aus dem Fundus einer großen Privatsammlung. Helga Breunig aus Baden-Württemberg zeigte Stücke ihrer Kollektion bisher auf mehreren Ausstellungen in ganz Deutschland. Sie sind nun erstmals in Bayern zu sehen.
Gezeigt werden überwiegend Stücke aus Porzellan und Glas. Dazu kommen Kartengrüße, Poesiealben und andere Erinnerungsstücke einer Freundschafts- und Schenkkultur, die zwei Weltkriege und zwei Nachkriegsgenerationen vor der unseren liegt.


23. Juni 2001 – 5. August 2001
Bayerisch Land
Kunstausstellung – Dagmar Hummel
Dagmar Hummel, geb. 1954, Studium an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Karlsruhe, Kunsterzieherin, seit 1998 Vorsitzende des Berufsverbandes bildender Künstler Oberbayern & Ingolstadt e.V.


Ausstellungen 2000

05. Mai 2000 bis 31. Oktober 2000
Kulturwut
Von der Zähmung der Ingolstädter Donaulandschaft

Aus Anlass der 750-Jahrfeier der Stadt Ingolstadt wird in Hundszell die aufregende Kultur-Geschichte der Auenlandschaft zwischen Donau und Sandrach erzählt.
Im Mittelpunkt steht die „Kulturwut" des 19. Jahrhunderts, die das Gesicht dieser Landschaft nachhaltig bis in die Gegenwart geprägt hat.

Ausstellungen 1999

2. Mai 1999 – 20. Juni 1999
Wenn Scheiben Geschichten erzählen …
Sonderausstellung Schützenscheiben im Bauerngerätemuseum Hundszell
Jeder kennt sie, die bunt bemalten Holzscheiben, die an den Wänden der Schützenheime aufgereiht sind oder die Gaststuben vieler Wirtshäuser zieren. Besonderes Interesse hat man den Schützenscheiben meist nicht geschenkt. Viele alte Scheiben gingen noch in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg verloren.
Auch den Museen und Kunsthistorikern erschienen die durch Einschüsse beschädigten und meist von Laien gemalten Bilder lange Zeit keiner besonderen Aufmerksamkeit würdig.
Inzwischen aber hat man entdeckt, wie künstlerisch reizvoll und kulturhistorisch interessant viele besonders der älteren Scheiben sind. In oft naiver und dadurch sehr unmittelbarer Weise erzählen sie ihre Geschichten und geben versteckte Hinweise auf frühere Kleidung, Bräuche oder topographische Details. Historische Ereignisse wurden von den Scheibenmalern ebenso kommentiert wie die kleinen Schwächen und Missgeschicke der lieben Mitmenschen.
Eine Ausstellung im Bauerngerätemuseum Hundszell zeigt vom 2. Mai bis 27. Juni eine größere Auswahl historischer und auch neuer Schützenscheiben. Rund 100 Leihgaben aus Weilheim, Schrobenhausen, Kipfenberg und Ingolstadt geben einen breiten Querschnitt durch die vielfältigen Anlässe, Themen und Motive. Zeitlich reichen sie vom Jahr 1803 bis in die Gegenwart. Einen eigenen Bereich bildet eine Auswahl ganz neuer, von Laienhand gemalter Scheiben, die als Ergebnis eines mehrjährigen Malkurses in Garmisch-Partenkirchen entstanden sind und die neu erwachte Leidenschaft am Scheibenmalen bekunden.


5. September 1999 – 31. Oktober 1999
Heilige und Scheinheilige
Namen und wer dahinter steht
Der Name gehört zum persönlichsten Gut des Menschen. Er wird ihm bei der Geburt verliehen, und er behält ihn – in aller Regel – bis zum Tod. Er kennzeichnet ihn als Individuum, macht ihn benennbar für die anderen.
Mit dem persönlichsten unserer Namen, dem Vornamen, befasst sich eine Sonderausstellung im Bauerngerätemuseum Hundszell.
Die Wahl des Vornamens treffen in aller Regel die Eltern. Sie tun dies, bis heute, weit weniger frei von gesellschaftlichen Einflüssen, als sie selbst glauben. Zu allen Zeiten vollzog sich die Namenswahl innerhalb eines mehr oder weniger breiten Kanons verfügbarer oder „zeitgemäßer“ Vornamen.
Immer wieder kam es zu Änderungen der Namensmode. Doch auch wenn die Moden in jüngster Vergangenheit immer schnell-lebiger werden – der „Grundstock“, aus dem wir uns bedienen, ist seit dem Hochmittelalter weitgehend gleichgeblieben. Es sind die christlichen Heiligen, die seit Jahrhunderten unsere Namenslandschaft dominieren.
Aus einer Privatsammlung kann eine hervorragende Auswahl von Orden mit Heiligendarstellungen gezeigt werden.
Die Ausstellung zeigt nicht nur, welche Vornamen zu welchen Zeiten besonders beliebt waren. Eine breite Auswahl von Heiligendarstellungen aus verschiedenen Epochen stellt auch einige unserer wichtigsten Namenspatrone vor. Die Palette der Darstellungsformen reicht vom großen Andachtsbild und die barocke Skulptur bis hin zu den Wallfahrtsandenken und miniaturhaften Abbildungen von Heiligen auf Orden, Medaillen und Münzen.
Die Exponate stammen aus den Beständen des Stadtmuseums, der Ingolstädter Pfarreien, des Diözesanmuseums Eichstätt sowie von privaten Leihgebern.
Einen besonderen Platz nimmt in der Ausstellung eine Serie von zeitgenössischen Heiligenbildern ein. Sie stammen aus der Hand des in Ingolstadt aufgewachsenen und heute in Deutschland und den USA wirkenden international renommierten Künstlers Walter Gaudnek. Unter Anlehnung an eine tradierte Formensprache entstanden im plakativen und farbenfrohen Stil der POP-ART ausdrucksstarke Bilder von zeitlosen Menschen.
Titel und Konzept der nun in Hundszell gezeigten Ausstellung stammen von Toni Drexler vom Bauernhofmuseum Jexhof. Dort wurde die Ausstellung – unter gleichem Titel und Konzept, jedoch mit anderen Exponaten – zu Beginn des Jahres 1999 mit großem Erfolg gezeigt.