Neues von den Barbaren. Spuren römischen Einflusses östlich der karpaten anhand neuer Importfunde und die Frage einer neuen "Weltordnung" nach den Markomannenkriegen
Vortrag von Prof. Dr. Dr. Alexander Rubel, KU Eichstätt
Der Vortrag widmet sich den neusten Forschungen zu den sog. »römischen Importen« östlich der Karpaten. In jüngster Zeit wurden der Umfang und der Einfluss des römischen Einflusses im und auf das Barbaricum neu überdacht. Was für das nordwestliche Barbaricum wahrscheinlich erscheint, spiegelt sich in jüngsten Funden aus Nordostrumänien, Moldawien und insbesondere der Ukraine wider:
Die Markomannenkriege (ca. 166-180 n. Chr.) stürzten die römische Weltordnung in eine schwere Krise. Das »Hinterland« der barbarischen Welt versank im Chaos. Neue Akteure wie die Kostoboken, Karpen und Vandalen traten auf, die komplexe Ethnogenese der »Goten« stand bevor, alte Bündnisse und bestehende Kontakte zwischen Barbarengruppen fernab des Limes wurden hinfällig, es kam zu einer völligen Umstrukturierung der Verhältnisse jenseits des Limes.
Gleichzeitig zeugen die Funde aus dieser Periode (grob 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr.) von den mannigfachen Versuchen Roms, durch diverse Formen (auch diplomatischer) Einflussnahme, steuernd in die Angelegenheiten der Barbaren jenseits des Donaulimes einzugreifen. Der Niedergang der alten Ordnung und die Versuche, eine neue zu etablieren, spiegeln sich in der Bandbreite und Menge der »römischen Importe« wider, die in den letzten Jahren östlich der Karpaten entdeckt wurden. Die neuen Funde und die Neusichtung des bekannten Materials ergeben das Bild einer dynamischen Entwicklung hinter dem Limes, die auf eine aktive römische Außenpolitik hindeuten, die auch in Krisenzeiten weit über die sichtbaren Grenzen des Imperiums hinausreichte.
Zum Referenten:
Alexander Rubel studierte Geschichte, Germanistik und Philosophie in Konstanz. 2000 promovierte er mit der Arbeit »Stadt in Angst. Religion und Politik in Athen während des Peloponnesischen Krieges«. Alexander Rubel ist Leiter des Deutschen Kulturzentrums Iaşi, des Instituts für Archäologie der Rumänischen Akademie und seit 2008 assoziierter Professor an der Universität Alexandru Ioan Cuza Iași und Le. 2015 erhielt er von der Universität Alexandru Ioan Cuza Iași einen zweiten Doktortitel in Germanistik. 2017 war er Gastprofessor am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Erlangen-Nürnberg und zwischen 2019 und 2020 Visiting Senior Research Fellow am Jesus College in Oxford. 2023 war Alexander Rubel Gastprofessor am Lehrstuhl für Alte Geschichte der Universität Eichstätt-Ingolstadt und kommt seitdem jedes Jahr als Gastwissenschaftler an die Altmühl.
02.07.2026
19:00 Uhr
Barocksaal des Stadtmuseums
Eintritt frei